Zwei Büros, drei Filialen, dazu ein Lager – und in jedem Gebäude steht ein eigener UniFi-Controller mit eigenem Login. Spätestens wenn jemand fragt, welche Firmware eigentlich wo läuft, wird aus einem gewachsenen Netz eine Verwaltungsaufgabe. UniFi kann das besser: Es gibt mehrere dokumentierte Wege, UniFi mehrere Standorte zentral zu verwalten – und sie unterscheiden sich deutlich in Aufwand, Rechteverwaltung und Kosten. Dieser Ratgeber ordnet die Möglichkeiten und zeigt, welche wann passt.
Erst die Begriffe: Site, Konsole, Anwendung
Die meisten Missverständnisse entstehen, weil drei Dinge durcheinandergehen:
- Site – eine logisch getrennte, verwaltete Netzwerkumgebung mit eigenen Geräten, eigenen Netzen/VLANs und eigenen Regeln. Eine Site ist nicht zwingend ein Gebäude, sondern eine administrative Einheit.
- Konsole – die Hardware bzw. der Host, auf dem UniFi OS läuft: ein Cloud Key, ein Cloud Gateway (UDM & Co.) oder ein UniFi OS Server.
- Anwendung – UniFi Network, Protect, Access, Talk. Sie laufen auf einer Konsole.
Die entscheidende Regel dazu formuliert Ubiquiti klar: Pro Site kann nur eine Instanz jeder UniFi-Anwendung laufen. Und wer keine Cloud Gateways einsetzt, sollte an einem Standort auch nur eine einzige Network-Instanz betreiben – also nicht Cloud Key und selbst gehosteten Controller parallel auf dasselbe Netz loslassen.
Die drei Architekturen im Überblick
| Ansatz | So funktioniert es | Passt, wenn … |
|---|---|---|
| Eine Network-Anwendung, mehrere Sites | Ein zentraler Controller, darin je Standort eine eigene Site; die Geräte melden sich über das Internet an | … du eine einheitliche Verwaltung willst und die Standorte keine eigene Konsole brauchen |
| Eine Konsole je Standort | Jeder Standort betreibt eigene Hardware; die Klammer bildet der UniFi Site Manager | … vor Ort ohnehin ein Cloud Gateway steht oder lokale Autonomie gefordert ist |
| Mischform | Große Standorte mit eigener Konsole, kleine Außenstellen als Sites im zentralen Controller | … die Standorte sehr unterschiedlich groß sind – in der Praxis der häufigste Fall |
Weg 1: Mehrere Sites in einer Network-Anwendung
Die UniFi-Network-Anwendung verwaltet mehr als eine Site. Du legst je Standort eine Site an, adoptierst dort die Geräte und wechselst in der Oberfläche zwischen ihnen. Jede Site hat ihre eigene Konfiguration – WLANs, VLANs, Firewall-Regeln, Portprofile.
Das ist gleichzeitig die wichtigste Einschränkung: Sites sind bewusst getrennt. Eine Änderung in Standort A landet nicht automatisch in Standort B. Wer in fünf Filialen dieselbe Gäste-SSID pflegt, pflegt sie fünfmal – es sei denn, er arbeitet mit Gerätetemplates über Fabrics (dazu unten mehr).
Wie kommen die Geräte an den zentralen Controller?
Steht der Controller nicht mehr im selben LAN, ist es eine Layer-3-Adoption. Grundvoraussetzung ist in allen Fällen die uneingeschränkte Erreichbarkeit zwischen Gerät und Network-Anwendung über TCP-Port 8080. Danach zeigst du den Geräten den Weg – per DNS-Eintrag für den Hostnamen unifi, per DHCP Option 43 oder per SSH mit set-inform. Die Details stehen im Ratgeber zur Layer-3-Adoption von UniFi Access Points.
Bestehende Standorte zusammenführen
Für vorhandene Installationen gibt es den Site-Export-Assistenten: Er exportiert eine Site samt Konfiguration und Geräten aus einer Network-Anwendung, damit sie von einer anderen verwaltet werden kann. Drei Punkte solltest du vorher kennen:
- Nur Super-Administratoren dürfen den Export ausführen.
- Die Zielanwendung muss dieselbe oder eine neuere Version haben als die Quelle.
- Der Export ist kein Backup-Ersatz – Admin-Konten und Zugangsdaten sind nicht enthalten.
Wie ein solcher Umzug im Detail abläuft, beschreibt der Ratgeber UniFi Controller in die Cloud umziehen.
Weg 2: Eigene Konsole je Standort, zentral über Site Manager
Wo ohnehin ein Cloud Gateway oder ein Cloud Key steht, bleibt die Verwaltung lokal – die Klammer liefert der UniFi Site Manager unter unifi.ui.com. Dort erscheinen automatisch alle Sites, die deinem UI-Konto gehören oder für die du Admin-Rechte hast; zusätzliche Konfiguration ist dafür nicht nötig. Im Mehrstandort-Betrieb sind vor allem drei Funktionen nützlich:
- Update Manager – alle Updates über alle Sites hinweg an einer Stelle sehen und anstoßen, statt sich durch fünf Oberflächen zu klicken.
- ISP Viewer – zentrale Auswertung von Latenz, Paketverlust und Verfügbarkeit über alle Deployments hinweg. Damit siehst du, ob es an der Filiale liegt oder am Provider.
- Gruppierung – stehen an einem Standort mehrere Konsolen, lassen sie sich im Site Manager gruppieren und gemeinsam verwalten, ohne ständig zwischen ihnen zu wechseln.
Der Preis dieses Wegs: An jedem Standort steht Hardware, die ausfallen, altern und gestohlen werden kann. Was das im Ernstfall bedeutet, haben wir im Ratgeber zum Cloud-Key-Ausfall beschrieben.
Rechte sauber verteilen: Admins, Rollen, Fabrics
Mehrere Standorte heißen fast immer: mehrere Zuständige. Ein Admin braucht dafür ein UI-Konto, das er unter account.ui.com anlegt. Beim Hinzufügen kannst du ihn gezielt einer einzelnen Site oder mehreren Sites zuordnen – der Haustechniker in Hamburg sieht dann eben nur Hamburg.
Für größere Umgebungen hat Ubiquiti darüber hinaus UniFi Fabrics eingeführt: eine Ebene über dem Site Manager, die mehrere Sites unter einer gemeinsamen Vertrauens- und Identitätsdomäne bündelt. Rollen werden zentral einmal definiert und konsistent über alle Sites angewendet, statt sie pro Standort zu wiederholen. Dazu kommen Richtlinien-Orchestrierung, zentrale API-Endpunkte und Gerätetemplates. Wichtig zu wissen:
- Vorausgesetzt wird UniFi OS 4.4 oder neuer.
- Zusätzliche Hardware braucht es nicht, um ein Fabric anzulegen oder eine Site hinzuzufügen.
- Ein Fabric wird direkt im Site Manager erstellt; Ubiquiti empfiehlt ein Fabric je Vertrauensdomäne – typischerweise definiert durch eine eigene Identity-Provider-Anbindung.
- Die IdP-Anbindung selbst setzt eine passende Konsole im Fabric voraus, unter anderem UDM Pro, UDM SE, UDM Pro Max, EFG, UCG-Fiber oder UNVR Pro.
Standorte miteinander verbinden: Site Magic
Zentrale Verwaltung ist das eine, ein durchgehendes Netz das andere. Dafür gibt es Site Magic, die SD-WAN-Funktion von UniFi: Sie baut verschlüsselte Tunnel zwischen kompatiblen UniFi-Gateways auf und wird im Site Manager unter Settings > SD-WAN eingerichtet – wahlweise als Hub-and-Spoke oder als Mesh. Die dokumentierten Voraussetzungen:
- UniFi Network Application 9.0.108 oder neuer und Gateway-Version 4.1.3 oder neuer.
- Der Hub braucht mindestens ein Gerät mit öffentlicher IP-Adresse.
- Alle Hubs und Spokes gehören demselben UI-Konto-Inhaber oder werden im selben Fabric von Fabric-Admins verwaltet.
- Verwalten darf SD-WAN nur der Owner.
Als Spokes kommen die meisten Cloud Gateways in Frage (der Express ist ausgenommen) sowie Independent Gateways, die über einen Cloud Key, einen UniFi OS Server oder Official UniFi Hosting verwaltet werden. Ein Punkt, den man bei der Planung gern übersieht: Überlappende Subnetze an mehreren Standorten machen jede Standortkopplung mühsam. Ein sauberer IP-Plan – Standort A 10.10.x, Standort B 10.20.x – kostet am Anfang eine halbe Stunde und spart später Tage.
Woran Multi-Site-Projekte in der Praxis scheitern
- Kein IP-Konzept. Drei Filialen mit 192.168.1.0/24 lassen sich zwar getrennt verwalten, aber nicht sinnvoll verbinden.
- Alles in eine Site gepackt. Standorte als eigene Sites zu führen ist keine Formalie – es trennt Konfiguration, Statistiken und Rechte.
- Rechte erst hinterher. Wer alle Zuständigen als Super-Admin anlegt, kann später nur schwer zurückrudern. Rollen von Anfang an je Site vergeben.
- Der Controller steht in einer Filiale. Dann hängt die Verwaltung aller Standorte an der Internetleitung und der Stromversorgung genau dieses einen Gebäudes.
Fazit
Für mehrere Standorte gibt es keine einzelne richtige Antwort, aber eine klare Logik: Sites trennen die Konfiguration, der Site Manager liefert den Überblick über alles, Fabrics regeln Identitäten und Rollen ab einer gewissen Größe, und Site Magic verbindet die Netze. Was du vorher festlegen solltest, ist unspektakulär und trotzdem entscheidend – ein sauberer IP-Plan, klare Zuständigkeiten und die Frage, wo der Controller eigentlich steht.
Genau da setzen wir an: Der gemanagte UniFi Cloud Controller von clevendo läuft in einem deutschen Rechenzentrum, verwaltet deine Standorte als getrennte Sites zentral an einer Stelle – und hängt an keiner deiner Filialen. Sprich uns an, wir sehen uns deine Standortstruktur gemeinsam an.
Häufige Fragen
Kann ein UniFi-Controller mehrere Standorte verwalten?
Ja. Die UniFi-Network-Anwendung verwaltet mehrere Sites, also mehrere logisch getrennte Netzwerkumgebungen mit jeweils eigenen Geräten, Netzen und Regeln. Damit die Geräte entfernter Standorte den zentralen Controller erreichen, ist eine Layer-3-Adoption nötig – Voraussetzung ist die uneingeschränkte Erreichbarkeit über TCP-Port 8080.
Was ist der Unterschied zwischen einer Site und einer Konsole?
Eine Site ist eine logisch getrennte, verwaltete Netzwerkumgebung mit eigener Konfiguration. Eine Konsole ist die Hardware beziehungsweise der Host, auf dem UniFi OS und die Anwendungen laufen – etwa ein Cloud Key, ein Cloud Gateway oder ein UniFi OS Server. Pro Site kann nur eine Instanz jeder UniFi-Anwendung laufen.
Darf ich zwei Controller an einem Standort betreiben?
Ubiquiti empfiehlt: Wer keine Cloud Gateways einsetzt, sollte an einem Standort nur eine einzige Instanz von UniFi Network betreiben – also nicht Cloud Key und selbst gehosteten Controller parallel. Stehen an einem Standort mehrere Konsolen, lassen sie sich im Site Manager gruppieren und gemeinsam verwalten.
Kann ich einen bestehenden Standort in einen zentralen Controller übernehmen?
Ja, über den Site-Export-Assistenten. Er exportiert eine Site samt Konfiguration und Geräten, damit sie von einer anderen Network-Anwendung verwaltet werden kann. Der Export ist Super-Administratoren vorbehalten, die Zielanwendung muss dieselbe oder eine neuere Version haben, und Admin-Konten sowie Zugangsdaten sind nicht enthalten.
Was brauche ich für Site Magic?
UniFi Network Application 9.0.108 oder neuer und Gateway-Version 4.1.3 oder neuer. Der Hub benötigt mindestens ein Gerät mit öffentlicher IP-Adresse, und alle Hubs und Spokes müssen demselben UI-Konto-Inhaber gehören oder im selben Fabric von Fabric-Admins verwaltet werden. Eingerichtet wird SD-WAN im Site Manager; verwalten darf es nur der Owner.
Brauche ich für mehrere Standorte UniFi Fabrics?
Nicht zwingend. Fabrics lohnen sich, wenn Rollen und Identitäten über viele Sites hinweg einheitlich verwaltet werden sollen – Rollen werden einmal definiert und konsistent angewendet. Vorausgesetzt wird UniFi OS 4.4 oder neuer; zusätzliche Hardware ist für das Anlegen eines Fabrics oder das Hinzufügen einer Site nicht nötig.